Hinteres Sonnwendjoch

 

Die Idee zu dieser Tour kam letztes Jahr,  im Mai auf der Rotwand war. Rundrum schillerte das Gebirg in den schönsten Braun- und Matschgrüntönen, nur in der Nordflanke vom Hinteren Sonnwendjoch hingen noch zwei leuchtende Schneefelder:

 

Damals dachte ich: wo Schnee liegt kann man auch runter fahren. Das musste natürlich überprüft werden und so klingelt der Wecker in dieser Saison um 3.50 Uhr. 3.50 Uhr! trotzdem sitze ich 15 min. später im Auto auf dem Weg Richtung Zipfelwirt. Wie es dazu kam, weiß ich allerdings nicht mehr. Kurz nach 6 Uhr sind wir startklar. Brett auf den Gepäckträger, das restliche Graffl in den Rucksack und schon treten wir unsere Radl die ca. 4 km Richtung Grundalm.

 



Als die Forststraße unter immer dickeren Scheebrücken versinkt, geben wir ein bisschen zu früh auf und lassen die Bikes stehen – nur um festzustellen, dass vor der Grundalm noch ein langes schneefreies Stück Straße kommt. Suppiee!!


  

Eine erste Vorschau.

Noch ist keinem von uns so ganz klar, wo wir eigentlich hin wollen. Aber immer wieder ergeben sich neue Möglichkeiten.

Langsam zieht es zu, doch wir kommen unserem Ziel immer näher.

Auf ca. 1200 m können wir anfellen und uns durch die Hinterlassenschaften einer monströsen Lawine wurschteln. Inzwischen haben wir uns für eine der hinteren, zumindest von weitem einfacher aussehenden, Rinnen entschieden. Der Aufstieg dahin ist lang und kraftraubend – so ganz ohne Spur. Kurz unter dem Einstieg ist der Hang steil, harschig da macht der Aufstieg plötzlich kein Vergnügen mehr.

Wir mogeln uns bergauf, bis die Knie so zittern, dass wir beide sicher sind: ohne Steigeisen geht’s nicht mehr. Zum Glück ist der Himmel leicht bedeckt – wenn die Sonne scheinen würde, wären wir sauber zu spät dran.



 

Gleich am Anfang wartet eine kurze Steilstelle auf uns (da wo der Riss im Schnee ist). Aber auch im weitern Aufstieg krieg ich zwischendurch immer wieder meinen Moralischen.

Die erste Hürde ist gemeistert. Quälend langsam arbeiten wir uns Schritt für Schritt auf harten Lawinenresten nach oben und meine Füllstandanzeige warnt bereits jetzt: niedriger Batteriestatus!



Dabei sind die Bedingungen ideal: auf einer harten Unterlage liegen 5 cm lockerer Pappschnee – wahrscheinlich von Donnerstag oder Freitag. Die Oberfläche ist griffig genug, damit die Kante Halt findet und hart genug, dass wir nicht zu sehr einsinken – trotzdem bleibt es eine arge Schinderei.


Schon lustig, es ist Ende April und wir stiefeln mit Nordwandmontur durch die bayrischen Voralpen.



Proudly presenting the all new Wildschnee Softbootsteigeisen auf Grivel 2F Basis.

Ungefähr 20-30 Meter vor dem Ausstieg wärmen wir hinter einem Felsen kurz die Finger auf und überlegen wie’s weitergeht, doch solche Trödeleien sieht die Rinne gar nicht gern. Zuerst kommt uns ein kleiner Lockerschneerutsch entgegen. Kurz darauf wirft die Natur mit Steinen in der Größe eines durchschnittlichen WLAN Routers. Für uns Zeichen genug, den Aufstieg gut sein zu lassen und so schnell wie möglich die familienfreundlichere Abfahrt anzutreten.  

Sieht flach aus, aber das täuscht. Immerhin geht es hier dermaßen bergab, dass keiner von uns auf den ersten 20 Metern an Turns denkt.

 

Der erste Schwung im Steilen sorgt dann noch mal für eine Extraschicht bei den Adrenalindrüsen. Ich drück mich von der sicheren Frontside ab, hänge einen Minimoment in der Luft, setz die Backside in den Hang und hoffe, dass die Kante beißt. Blöd dabei: Wenn du einmal die Bewegung angesetzt hast, kannst du sie weder zurücknehmen noch großartig verändern. Ein bisschen so wie wenn man in eine Achterbahn steigt – mit dem kleinen Unterschied, dass hier vorher kein TÜV Prüfer aufkreuzt.

 

Also volles Commitment

 
Hepp... und 'rum

Weiter unten wird's deutlich flacher.



Auf dem Weg zum Kurzskidepot.

Hurra wir leben noch. Der Hang am Rinnenausgang ist feinste Sahne - mit Kirsche, Caramelcreme und Streuseln.


Nach unten hin wird es immer sulziger und immer genussreicher.

Gut, dass die Lawine schon unten ist.

  

Der Blick zurück auf unsere exakte Aufstiegsroute.

 

Müde latschen zu unseren Rädern und rollen talauswärts durch ganze Gruppen von Familenausflüglern, die nicht wissen, ob sie lachen oder sich bedroht fühlen sollen.


 

Jeder ein halbes Sportgeschäft auf dem Buckel, da hätt ich mich fürs Lachen entschieden.

 

Tobi

Verts

Verts die Alternative zum Schneeschuh.

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